„AKW Beznau abschalten“

Die baden-württembergische Landesregierung verlangt die „frühestmögliche“ Abschaltung des AKW Beznau in der Schweiz. In einem Gutachten hatte das Öko-Institut Darmstadt eine ganze Reihe von sicherheitstechnischen Mängeln festgestellt.

„Die in den Reaktordruckbehältern der Anlage Beznau vorgefundenen Anzeigen stellen weitere Hinweise auf Mängel in der Herstellungsqualität und damit einen sicherheitstechnischen Nachteil der Anlage dar. Der Sicherheitsnachweis für die Integrität des Reaktordruckbehälters von Beznau 1 lässt sich vor diesem Hintergrund, wenn überhaupt, nur noch mit erheblich reduzierten Sicherheitsmargen führen.“ Es ist starker Tobak, den das Öko-Institut Darmstadt in einem Gutachten zum Sicherheitsstatus des Schweizer Kernkraftwerks Beznau im Auftrag des Umweltministeriums des deutschen Bundeslandes Baden-Württemberg serviert. In einer ganzen Reihe von sicherheitsrelevanten Punkten, vom Erdbebenschutz bis zur Notstromversorgung, sehen die beiden Autoren im Vergleich mit deutschen Druckwasserreaktoren „sicherheitstechnische Nachteile.“ Die baden-württembergische Landesregierung fordert deshalb,  „dass die Anlage Beznau zum frühestmöglichen Zeitpunkt abgeschaltet werden sollte“. Es seien an  beiden Blöcken zwar Verbesserung durchgeführt worden, weitere seien in Arbeit oder geplant. „An der Gesamtbeurteilung des Umweltministeriums, dass es sich um eine sicherheitstechnisch fragwürdige Anlage handelt, ändert sich dadurch aber nichts. Die grundlegenden Schwächen, die sich aus der Grundauslegung der Anlage aus den 1960er Jahren ergeben, werden mit den einzelnen Nachrüstungen nicht behoben“, heisst es weiter in der Stellungnahme. Das Öko-Institut hatte die Bewertung nach den Massstäben der deutschen Reaktor-Sicherheitskommission vorgenommen und sich dabei auf die öffentlich zugänglichen Daten gestützt.
Die Forderung wurde in der Schweiz erwartungsgemäss je nach politischer Haltung zur Atomkraft entweder begrüsst oder, teils barsch und mit deutschfeindlicher Note, zurückgewiesen. Die Behörden hielten sich zurück. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) als Aufsichtsbehörde und das Schweizer Umweltministerium nahmen den Bericht kommentarlos zur Kenntnis. AXPO, der Betreiber des AKW Beznau, bezeichnete das Gutachten als „politisch motiviert“ und verwies darauf, dass das Kraftwerk beim europäischen AKW-Stresstest, der nach der Katastrophe von Fukushima durchgeführt worden war, als eines der besten Kraftwerke abgeschnitten habe. Beznau habe jederzeit alle Auflagen der Behörden erfüllt. Das ist aber, zumindest im Falle von Beznau I, nur ein Teil der Wahrheit. Der ältere der zwei Reaktoren mit Baujahr 1969 steht seit zweieinhalb Jahren still. Die Wiederinbetriebnahme ist schon mehrfach verschoben worden, weil das ENSI sich von der AXPO bislang nicht überzeugen liess, das Kraftwerk erfülle die gesetzlichen Vorgaben.

Quellen:

Das Gutachten des Öko-Instituts zum Download

Stellungnahme der Landesregierung

Beitrag im TagesAnzeiger

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