Pilze in Süddeutschland nach wie vor radioaktiv belastet

Drei Jahrzehnte nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl finden sich in Süddeutschland noch immer Speisepilze, bei deren Konsum man so viel Strahlung absorbiert wie mit allen übrigen Lebensmitteln aus landwirtschaftlicher Produktion während eines ganzen Jahres.

«Wer für sich persönlich die Strahlenbelastung so gering wie möglich halten möchte, sollte auf den Verzehr hoch kontaminierter Pilze verzichten», rät das Amt für Strahlenschutz. Dessen Expertinnen und Experten erheben seit 2015 jährlich in einer aufwendigen Messkampagne die radioaktive Kontamination von wild wachsenden Pilzen in Süddeutschland. Nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl am 26. April 1986 hatten sich radioaktive Teilchen in weiten Teilen Europas verstreut, der Niederschlag war dabei abhängig von Wetter und Wind. Besonders stark betroffen waren Teile des bayerischen Waldes und der Region Garmisch-Partenkirchen, wo Bodenkontaminatione bis zu 120'000 Becquerel pro Quadratmeter gemessen worden waren. Die Aufnahme von 80'000 Becquerel Cäsium-137, dem häufigsten damals freigesetzten Radionuklid, mit der Nahrung entspricht einer Belastung von etwa 1 Millisievert bei Erwachsenen. Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 3.000 Becquerel Cäsium-137 pro kg entspricht der Strahlenbelastung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria. Diese Menge wurde in den Proben gemessen, doch auch drei Jahrzehnte nach Tschernobyl und einer runden Halbierung der Strahlungsintensität von Cäsium-137 werden in so bekannten Speisepilzen wie dem Semmelstoppelpilz, Maronenröhrling oder Violetter Rötelritterling Dosen von über 1000 Becquerel pro Kilogramm gemessen. Die Verteilung ist dabei höchst unterschiedlich. Eine grosse Rolle spielt auch das Myzel. Pilze mit oberflächemnahem Myzel werden, bedingt durch die langsame Verlagerung der Cäsium in tiefere Bodenschichten, tendenziell rasch geringere Dosen aufnehmen, Pilze, die in tiefere Bodenschichten vordringen, dürften eine gegenteilige Entwicklung erfahren. Allerdings schwanke der Radiocäsiumgehalt einer Pilzart innerhalb eines Standortes im Allgemeinen «wesentlich stärker als von Jahr zu Jahr.»

Quelle mit Link zur aktuellen Studie:

 

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