Mittwoch, 06 Dezember 2017 14:21

National Monument Bears Ears: Bahn frei fürs Uran

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 Das National Monument Bears Ears. Im Hintergrund die beiden namensgebenden Felsstöcke. (Bild: John Fowler, Flickr) Das National Monument Bears Ears. Im Hintergrund die beiden namensgebenden Felsstöcke. (Bild: John Fowler, Flickr) John Fowler, Flickr

Die weitgehende Zurückstufung des nationalen Monuments «Bears Ears» im Bundesstaat Utah folgt handfesten Interessen der Uran-Industrie. Die Regierung des Bundesstaates hatte heftig lobbyiert, um die Entscheidung von Trumps Vorgänger Barack Obama zu revidieren. Es gehe um die nationale Sicherheit, hiess es, konkret: Die letzte us-amerikanische Anlage zur Urananreicherung, die zwar nicht direkt im ursprünglichen Schutzgebiet liegt, aber deren Zufahrtsstrassen und mehrere Uranlagerstätten tangiert wären. Nun ist der Weg wieder frei.


Dinosaurier steiften hier herum, ihre Spuren finden sich in einer Masse wie nirgend in Nordamerika; Indianer lernten, in dieser unwirtlichen Umgebung zu überleben, bis sie von einer weissen Übermacht vertrieben wurden. Sie hinterliessen einen riesigen archäologischen Schatz mit Felswandmalereien, zahlreichen Artefakten und Höhlenbauten: Die nach zwei mächtigen Felsstöcken, die Bärenohren ähneln, «Bears Ears» genannte, knapp 6500 Quadratkilometer umfassende Landschaft im Bundesstaat Utah war, nach jahrelanger Vorprüfung, im vergangenen Dezember von Präsident Barack Obama zum «National Monument» erklärt worden. Seit 1906 dürfen Präsidenten Landschaften diesen Status verleihen, der im Grossen und Ganzen jenem von europäischen Naturparks entspricht. Damals ging es vor allem um den Schutz von archäologischen Schätzen der Indianer, die oft auch den Wert von Heiligtümern haben. Später wurde der Begriff auf geologische und wissenschaftliche bedeutende Monumente erweitert.

Obamas Entscheid war ein Kompromiss. Das von ihm unter Schutz gestellte Gebiet schloss, sehr zum Ärger der Ureinwohner und Paläontologen, eine Urananreicherungssanlage mit gewaltigen Schlammteichen in White Mesa und die Uranmine Daneros aus, um deren Weiterbetrieb zu sichern. Nur die Strasse, die die beiden Anlagen verbindet, führt durch das National Monument. Das gefährde den gesamten Betrieb, hiess es in einem 49-seitigen Papier, das von der Regierung des Bundesstaates Utah in Auftrag gegeben worden war. Nur eine Reduktion des Schutzgebietes könne die Zukunft sichern. Während Monaten wurde lobbyiert, und schon im Mai liess ein Erlass des neuen Präsidenten Donald Trump, wonach alle nationalen Monumente, die in den vergangenen 30 Jahren geschaffen worden waren, auf den Prüfstand zu stellen seien, erahnen, wohin die Reise geht. Es dauerte nur einige Monate, und das Schicksal von «Bears Ears» war weitgehend besiegelt. Die Schutzgebietsfläche wurde um 85 Prozent verkleinert.

Karte des National Monument Bears Ears mit den alten (schwarz)  und neuen (rot) Grenzen. Karte: Southern Utah Wilderness Alliance

Damit sind auch eine ganze Reihe von potenziellen Uran-Lagerstätten wieder für den Abbau zugänglich. Davon sprach Trump nicht in seiner Rede in Salt Lake City. Er redete vielmehr den regionalen Authoritäten nach dem Mund und begründete seinen Entscheid, sie wüssten besser, was zu tun sei als die Behörden im fernen Washington. Das gelte auch fürs Jagen oder die Viehweide – was auch unter dem Status eines nationalen Monumentes weiter erlaubt war. Im Kern ging es Trump darum, seine Wählerbasis zu festigen, und, im Rahmen seiner Energiestrategie, die der Uran- und Atomwirtschaft wieder wesentlich mehr staatliche Förderung zukommen lassen will, auch den Uranabbau nicht weiter zu behindern. Dass die bestehende Uranmine wegen der tiefen Uranpreise schon seit fünf Jahren stillgelegt ist und das Uran, das in Utah angereichert wird, vor allem nach Südkorea exportiert wird, kümmert ihn nicht weiter. Und noch weniger dürfte den Ignoranten im Amt des amerikanischen Präsidenten die anhaltende Zerstörung der indianischen Artefakte, deren Zahl auf 400'000 geschätzt wird, interessieren. Bears Ears ist in den vergangenen Jahren zum Eldorado für Abenteuer-Touristen geworden, von denen sich manche nicht zu schade sind, jahrhundertealte, im trockenen Klima gut erhaltene Mokassins aus Höhlen mitlaufen zu lassen oder sich an Felsmalereien zu verewigen. Der nun aufgehobene Schutzstatus freut auch die Outdoor- und Tourismus-Industrie. Umweltorganisationen und Indianerverbände haben Klagen gegen den Entscheid angekündigt.

Quellen:

Weisses Haus

Salt Lake Tribune

BBC

medium.com

Science Mag

nrdc.org

grind tv

national geographic

 

 

 

Gelesen 2727 mal Letzte Änderung am Dienstag, 20 März 2018 15:10

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