Lebenswerk für krebskranke Kinder

Karla Aurich rief Spendenorganisation für krebskranke Kinder ins Leben (Bild: SWR Mediathek) Karla Aurich rief Spendenorganisation für krebskranke Kinder ins Leben (Bild: SWR Mediathek)

Die 81jährige Karla Aurich tritt ihre letzte Reise nach Weissrussland an, um ihre Spendenorganisation zu übergeben. Der Südwestrundfunk (SWR) begleitet die Seniorin aus der Eifel auf ihrer Abschiedsreise nach Minsk. 

Sie ist Rentnerin, verheiratet, hat Kinder, Enkel und Urenkel – ein alltägliches Leben also, und doch wieder nicht. In der Sendereihe „Menschen Leute“ stellt der Südwestrundfunk Zeitgenossen mit besonderen Geschichten vor. Karla Aurich gründete vor 28 Jahren die Spendenorganisation „Sonne für Kinder von Tschernobyl“. 

Schwieriger Start in Minsk

Die halbstündige filmische Dokumentation "Karla und die Kinder von Tschernobyl" zeigt das Porträt einer aussergewöhnlich hilfsbereiten Frau. Die Seniorin Karla Aurich (81) fliegt ein letztes Mal nach Minsk, um ihre Spendenorganisation an ihre Nachfolger zu übergeben. 31 mal reiste sie in knapp 30 Jahren von ihrem Zuhause in der Eifel in das verstrahlte Gebiet, um eine Krebskinderklinik mit Medikamenten zu versorgen. Auch bei ihrer letzten Reise hat sie wichtige Medikamente im Gepäck – überlebenswichtig z.B. für den zehnjährigen, krebskranken Wolodja, dessen Zustand sich nach einer Knochenmarkstransplantation rapide verschlechtert hat. Doch die Behörden beschlagnahmen diesmal die Medikamente. Die Nachfolger wie auch ihr weissrussischer Mitarbeiter Jewgenij verhandeln - es ist ein zähes Ringen mit den Behörden. Zuletzt fehlt nur noch die Unterschrift des Präsidenten Lukaschenko, dann ist es geschafft. Vor Ort erhält die Seniorin für ihr Lebenswerk vielstimmig Dank. In der Kinderkrebsklinik spricht sie mit Ärzten und Eltern der Kleinen Patienten. Im von ihr aufgebauten Sanatorium feiert man sie wie ein Mutter Teresa, Mitarbeiter und Gastkinder aus drei Jahrzehnten sind gekommen, um mit ihr ein Abschiedsfest zu feiern. Es herrscht eine berührende familiäre Verbundenheit über sprachliche, politische und geographische Grenzen hinweg. Aurich fällt der Abschied nicht leicht, am Ende des Films aber überwiegt die Erleichterung, das anstrengende Amt abgeben zu können.

 


Karla Aurich auf ihrer Abschiedsreise in Weissrussland (Bild: ARD)

 

Bewegendes Filmporträt

Der Zuschauer reist mit – folgt der Seniorin in ihr ländliches Zuhause nach Langschein, ist dabei wenn sie Formulare und  Medikamente in Deutschland in Empfang nimmt, erlebt ihre Kämpfernatur als der Zoll am Flughafen Minsk die Medikamente beschlagnahmt. Man fühlt mit der erschöpften Seniorin, die Krisensitzung hält mit ihrem Mitarbeiter Jewgenij im engen Büro. Und man bewundert ihr aufgebautes Helfernetz bis hinauf zur Regierung Lukaschenko, das sie anhand von Fotos veranschaulicht. Die Doku lebt davon, das Geschehen unmittelbar zu begleiten. Aurich besucht am nächsten Tag die kleinen Patienten in der Klinik, ihre Betroffenheit um das Wohl der Kinder steht ihr ins Gesicht geschrieben. Sie gönnt sich nur ein wenig Ruhe beim Spaziergang im Gorki Park, zusammen mit ihrer Übersetzerin und Freundin Raissa. Die Kamera fokussiert auf beider Händedruck, eine innige Umarmung. Im Film kommen ehemalige Gastkinder Aurichs, Ärzte, und schwerkranke Patienten zu Wort. Wehmut schwingt mit, wenn Jewgenij zum Abschluss meint, Karla müsse weitermachen irgendwie, ihre Hilfe sei weit mehr gewesen, als jede materielle Unterstützung internationaler Hilfsorganisationen in all den Jahren. Es ist eine emotionale Doku, die nicht verschweigt, dass Aurichs leibliche Familie, ihr Engagement so mittrug, und akzeptierte, dass zuhause "vieles liegen blieb".    

Helfen hat ein Gesicht

„Die Kinder sind die Unschuldigen, wir Erwachsenen haben das zu verantworten“, so das Credo der engagierten Dame. Sie tritt uns als eine überaus couragierte wie offenherzige Persönlichkeit entgegen, die gegen das Vergessen der atomaren Tragödie kämpft. Und doch hinkt die filmische Porträt ein stückweit hinter der tatsächlichen Lebensleistung der 81jährigen zurück. Sie hat ein beachtliches Helfernetzwerk zuhause, wie auch in Weissrussland aufgebaut, Spenden gesammelt für die Anschaffung vonmedizinischen Geräten, den Aufenthalt von Gastkindern  in Deutschland organisiert – und immer wieder bürokratische wie auch persönliche Probleme bewältigten müssen, wie man auf der Website erfährt. Aurich erzählt dort die Geschichte ihrer Spendenorganisation, die mit einem Radiobeitrag über die krebskranken Kinder von Tschernobyl begann und in ihr eine Welle der Hilfsbereitschaft auslöste, die seither weite Kreise zog.

 

 

Links: 

Karla und die Kinder von Tschernobyl. SWR Doku

Website der Spendenorganisation "Sonne für Kinder von Tschernobyl"

 

 

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