"Ökomodernisten" wie Bill Gates glauben an die Atomkraft

So stellt sich Bill Gates die atomare Zukunft vor: Laufwellen-Reaktor-Skizze So stellt sich Bill Gates die atomare Zukunft vor: Laufwellen-Reaktor-Skizze

«Ökomodernisten» wie der zweitreichste Mann der Welt, Bill Gates, sehen in der Atomkraft eine Energieform der Zukunft, um den Klimawandel zu stoppen. Sie rechnen mit grossen technologischen Durchbrüchen. Ob das gelingt, steht in den Sternen. Und dann kommt noch die Kostenfrage.


«Die Welt braucht verschiedene Lösungsansätze, um den Klimawandel aufzuhalten. Einer heisst Atomkraftwerke einer neuen Generation», schreibt der mit einem Vermögen von 90 Milliarden US-Dollar zweitreichste Mann der Welt, Bill Gates, in seinem Neujahrsbrief an die Welt. Gates engagiert sich seit einem Jahrzehnt auch finanziell: Terra Power hat ein Konzept aus den 1950er-Jahren wieder belebt, den Laufwellen-Reaktor. Über theoretische Grundlagen ist die Idee bisher nicht herausgekommen. Gates wollte in China einen ersten Testreaktor installieren, scheiterte aber an der Handelspolitik seines Präsidenten Donald Trump. Nun will er es in den USA versuchen und weibelt in den beiden Parlamentskammern um Zustimmung.

«Ökomodernisten» wie Bill Gates sehen in der Atomkraft eine Energieform der Zukunft, weil, so Gates, «es die einzige CO2-freie Energiequelle ist, die 24 Stunden am Tag verfügbar ist». Bei Wind- und Solaranlagen werde es auch in Zukunft an den nötigen Batteriekapazitäten mangeln, um diese Energiesicherheit zu gewährleisten. Und die Sicherheitsprobleme, die seien «mit Innovation» lösbar. Gates spricht gerne von «Energiewundern» und meint damit technologische Durchbrüche, wie sie etwa bei verschiedenen Impfstoffen gelungen seien. Es gehe dabei vor allem um die Entwicklung von neuen Materialien, beim Laufwellen-Reaktor ist der Neutronenbeschuss nochmals deutlich höher als bei den gängigen Druckwasserreaktoren. Gates gibt sich zuversichtlich. Es sei in der Geschichte der Industrialisierung immer wieder gelungen, mit bahnbrechenden Innovationen wie der Dampfmaschine oder dem Dieselmotor den technischen Fortschritt voranzubringen, meinte er in einem Interview mit der «Technologiereview».

Für Gates gibt es, wenn man allen Menschen dieser Erde das gleiche Recht auf Wohlstand zubilligt, keine Alternative zum technischen Fortschritt. Dahinter steckt die Überlegung des «Kaya – Gleichgewichts». Danach sind die gesamten CO2-Emissionen das Ergebnis der miteinander verknüpften Faktoren Bevölkerung, Pro-Kopf-Verbrauch, Energie und Kohlenstoff. Wenn man davon ausgehe, dass sowohl Bevölkerung, Pro-Kopf-Verbrauch und Energie sich kaum nach unten verändern liessen, dann bleibe unter dem Strich nur, den Verbrauch an Kohlenstoff auf Null zu senken, dies selbst, wenn es den Industriestaaten gelingen sollte, ab etwa der Jahrhundertmitte Kohlenstoff zu absorbieren, um den Entwicklungsländern mehr Spielraum für deren Entwicklung zu lassen. Eine ganze Reihe von über 20 Milliardären, unter ihnen Jeff Bezos (Amazon), Richard Branson (Virgin) und Mark Zuckerberg (Facebook) haben sich der «Breakthrough Energy Coalition» angeschlossen und damit zugesagt, mindesten zwei Millionen Dollar zu investieren. Erwartet wird dabei auch, dass der Staat sich finanziell engagiert. Es gelte nun, auf der Lieferantenseite zu investieren, sagt Gates. Zu lange habe man nur die steigende Nachfrage befriedigt.

Die Erwartungen, die er mit seinen Investitionen in die Atomenergie schürt, sind nur schon angesichts der enormen technologischen Herausforderungen, nur sehr bedingt berechtigt. Denn aktuell ist noch kein einziger Durchbruch in Sicht, und damit wird nur schon die Zeit knapp. Gates rechnet mit einer Kommerzialisierung des Laufwellen-Reaktors nicht vor 2035. Und selbst wenn die optimistischen Szenarien sich bewahrheiten sollten, würde der Beitrag der Atomenergie schon fast vernachlässigbar bleiben. Die Internationale Energieagentur hat berechnet, dass die Kernkraft gerade mal fünf Prozent zur CO2-freien Energieversorgung beitragen könnte – mit einer Verdreifachung der Reaktorzahl auf 1000. Dazu sind schon heute Solarenergie- und Windanlagen deutlich günstiger als die Atomenergie.

Quellen:
https://www.gatesnotes.com/About-Bill-Gates/Year-in-Review-2018
http://www.b-t.energy/coalition/who-we-are/
https://www.technologyreview.com/s/601242/qa-bill-gates/
https://terrapower.com/
https://www.sueddeutsche.de/wissen/kernenergie-klimawandel-atomkraft-gates-laufwellenreaktor-1.4312993

https://www.youtube.com/watch?v=hROy7_qofv4

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