Das mit Abstand grösste Potenzial für eine Energieversorgung ohne fossile Brennstoffe bieten Wind und Sonne. Ein europäischer Ländervergleich der Schweizerischen Energiestiftung zeigt: Es liegen Welten zwischen den Spitzenreitern und den Abgehängten. Zu den Letzteren zählt die Schweiz.

 

60 Prozent des Zements weltweit werden in China hergestellt. Das hinterlässt, weil Kohle dazu verbrannt wird, einen gewaltigen CO2-Fussabdruck. Wie es gelingen soll, bis 2060 eine emissionsfreie Produktion zu schaffen, steht in den Sternen.

 

Emissionsrechte im Wert von knapp 700 Millionen Europa haben die europäischen Airlines im vergangenen Jahre gutgeschrieben erhalten. Lufthansa, Easy Jet, Air France und SAS haben sie nur zum Teil beansprucht. Auch wenn sie diese rückerstatten müssen, so zeigt sich, dass mit diesen Massnahmen zur Absenkung der Klimagasemissionen kein Staat zu machen ist. Wenn die Luftfahrt bis 2050 klimaneutral werden soll, muss an allen Ecken und Enden angesetzt werden.

 

Die Energiewende gewinnt an Fahrt. 81 Prozent der 2021 weltweit neu gebauten Stromkraftwerke werden mit erneuerbaren Energien betrieben, wie die Internationale Agentur für erneuerbare Energien berichtet. Den noch knapp 60 Gigawatt an neu gebauten fossilen Kraftwerken stehen stolze 257 Gigawatt an erneuerbaren Anlagen gegenüber. Die mit Abstand grössten Zuwächse verzeichnet Asien. Dennoch erreichte die Stromproduktion 2021 wegen der enorm gestiegenen Nachfrage einen neuen Rekord an CO2-Emissionen.

 

Man kann es drehen und wenden, wie man will: eine autarke Schweizer Energieversorgung in der CO2-neutralen Zukunft ist unrealistisch. Sie scheitert entweder an den Kosten oder der mangelnden Verfügbarkeit von Stromspeichern. Das zeigen Berechnungen des Energieforschungslabors von ETH und EFPL. Das ist kein Weltuntergang. Die Energieversorgung bleibt eine globale Aufgabe auch in Zeiten der Energiewende.

Die 25 grössten Banken Europas, unter ihnen UBS, CS und die Deutsche Bank, haben in den Jahren 2016 bis 2021 400 Milliarden US-Dollar an Krediten für Öl- und Gasförderprojekte vergeben. Daran haben auch die Selbstverpflichtungen, es nun dabei zu belassen, bis jetzt nichts Wesentliches geändert. Dabei verlangt selbst die Internationale Energieagentur, Investitionen in neue Öl- und Gasfelder ab 2022 zu unterlassen, wenn das 1,5 Grad – Ziel bis 2050 nicht ausser Reichweite geraten soll.

Es ist nicht ganz klar, wer in der Schweiz die neu entstandene Atomdebatte mit welchen Absichten befeuert und welche Interessen vertreten werden. Sicher aber besteht die Gefahr, wertvolle Zeit beim Umbau in Richtung nachhaltige Energieversorgung zu verlieren. Wer die heutigen Argumente für die Kernenergie anschaut, stösst auf alte Unwahrheiten. Etwa bei den Baukosten.

Der Bauzeit dauert länger, die Kosten sind höher als geplant: Kernkraftwerk Olkiluoto 3 in Finnland während der Bauphase

Olkiluoto 3: Teurer und später fertig als geplant. Und nun ein Haufen Prozesse. 

755 Milliarden US-Dollar sind laut der Denkfabrik BloombergNEF 2021 in kohlenstoffarme Energien, Technologien und Transporte investiert worden – eine Steigerung um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch das reicht bei weitem nicht, um die Energiewende zu schaffen.

Auf 275 Billionen US-Dollar oder 9,2 Billionen pro Jahr schätzt eine Expertengruppe des McKinsey Global Institute die bis 2050 anfallenden Kosten für die weltweite Energiewende, wenn die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden soll. Das ist in etwa die Hälfte mehr als derzeit ausgegeben wird. Das komme aber immer noch deutlich günstiger zu stehen als ein ungebremster Klimawandel.

 

50 Millionen grosse Haushalt- und Elektronikgeräte hängen an den Steckdosen der 3,8 Millionen Schweizer Haushalte. Das sind 15 Millionen mehr als vor zwei Jahrzehnten. Zwar brauchen die meisten Geräte immer weniger Strom, aber die schiere Masse relativiert diesen Effizienzgewinn. Erster Teil der Serie «Ist das nachhaltig?»

 

Die Energiewende mit dem Umstieg auf neue erneuerbare Energien dürfte nochmals erheblich an Fahrt gewinnen – weil es sich rechnet. Forscher gehen davon aus, dass, anders als in den meisten Szenarien bisher angenommen, der Preiszerfall sich noch beschleunigen dürfte. Vor diesem Hintergrund erscheint eine CO2-neutrale Energieproduktion bis zur Jahrhundertmitte nicht nur als machbar – diese wird, bei einer zügigen Umsetzung, auch um viele Billionen billiger zu haben sein.

 

Fliegen schadet dem Klima wie keine andere Art der Fortbewegung. Und weil die Flugzeuge in grosser Höhe Kondensstreifen hinterlassen, die das Klima zusätzlich anheizen, ist Fliegen noch schädlicher als in den CO2-Bilanzen ausgewiesen. Wege, um aus diesem Dilemma hinauszukommen, zeigen sich erst in Ansätzen. Fliegen muss deutlich teurer werden.

 

Rund fünf Prozent des Schweizer Stromes werden mit Photovoltaikanlagen gewonnen. Verkauft wird dieser Ökostrom von vielen Anbietern ausschliesslich in speziellen, deutlich teureren Grünstromangeboten, während in den am meisten gefragten Standardstromprodukten der Solaranteil deutlich niedriger liegt. Der Branchenverband Swissolar ruft nun dazu auf, auch beim Standardstrom den realen Solarstromanteil zu integrieren – mit einer Steigerungsrate von einem Prozent jährlich, um den Umbau auf neue erneuerbare Energien zu beschleunigen.

 

Die vier grössten Stromproduzenten der Schweiz sind europäischer denn je. Mit Ausnahme der Wasserkraft setzen sie fast ausschliesslich auf Investitionen in Kraftwerke im europäischen Ausland, wie eine Analyse der Schweizerischen Energiestiftung zeigt. Das befördert zwar den nach wie vor viel zu langsamen Umbau auf neue erneuerbare Energiequellen, rückt aber die selbst gesteckten Schweizer Ausbauziele in noch weitere Ferne. Das liegt weniger an den Grossproduzenten als an mangelnder staatlicher Förderung.

 

Die 622 Eisen- und Stahlwerke zeichnen weltweit für rund elf Prozent der Kohlendioxidemissionen verantwortlich. Der Umbau auf eine klimaschonendere Produktion steckt noch ganz in den Anfängen. Beim derzeitigen Tempo dürften die für 2050 vorgesehenen Reduktionsziele um 90 Prozent verfehlt werden.

 

Schon 2023 soll der weltgrösste Windpark vor den Küsten der Niederlande in Betrieb gehen, die Leistung von 1,5 Gigawatt reicht, um rund zwei Millionen Haushalte zu versorgen – ohne staatliche Subventionen. Die Hälfte des Stromes wird allerdings der Chemiekonzern BASF übernehmen. Er hält eine Minderheitsbeteiligung von 49,5 Prozent am Projekt, das vom schwedischen Energiekonzern Vattenfall getragen wird. Es könnte nach Vorstellungen der Schweden das Modell der Energiezukunft sein.

Das Bezirksgericht in der niederländischen Hauptstadt Den Haag hat den Öl- und Gaskonzern Royal Dutch Shell verpflichtet, bis 2030 seine CO-Emissionen um 45 Prozent zu senken. Es folgt damit einer Klage von Umweltorganisationen und besorgten Bürgerinnen und Bürgern. Das Urteil ist eine Weltpremiere.

Der Umbau der Energieversorgung auf erneuerbare Energien bedingt eine Produktionssteigerung bei Mineralien, von Kupfer über Lithium bis zu seltenen Erden. Die Internationale Energieagentur wagt einen Ausblick bis 2040: Die Herausforderungen sind gewaltig. Alleine der Lithiumbedarf könnte um das 40-fache steigen.

Mensch + Energie

Vor dem Hintergrund der aktuellen „Energiewende“-Debatten möchten wir einen kritischen Diskussionsbeitrag leisten für all jene, die mehr wissen wollen zum Thema Energie. Und wir möchten einen Beitrag leisten, die tiefen ideologischen Gräben zu überwinden, die Befürworter und Gegner trennen. Denn die Wahrheit wird bei diesem Thema sehr schnell relativ bzw. relativiert, man bewegt sich auf einem Feld, in dem sich Experten, Meinungsmacherinnern, Ideologen, Betroffene, Opfer, Lobbyisten, Politikerinnen und Weltenretter tummeln. Sie alle sollen zu Wort kommen, sie sollen von ihrer Wahrheit erzählen, der Wahrheit des Strahlenopfers ebenso wie jener des Kraftwerkbetreibers, des Befürworters und der Gegnerin.

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