Der Ausstieg aus Öl und Gas trifft die ärmsten Förderländer besonders hart

Die Welt, zumindest jene der Repräsentanten von 195 Unterzeichnerstaaten des Pariser Klimaabkommens, die den Jahrhundertvertrag ratifiziert haben, setzt auf die Dekarbonisierung der Atmosphäre, um den Klimawandel auf ein erträgliches Mass zu beschränken. Darunter finden sich auch die allermeisten Erdöl und Erdgas fördernden Länder, mit Ausnahme des Irak, Irans, Lybiens, Südsudans und der Vereinigten Staaten. Letztere wollen unter dem neuen Präsidenten Joe Biden nun allerdings wieder ernst machen mit der Energiewende. Neben der Kohle müssen auch Erdöl und Erdgas binnen weniger Jahrzehnte substitutiert werden. Was das für die Öl- und Erdgasstaaten und deren Staatshaushalte in zwanzig Jahren bedeutet, haben Expertinnen und Experten des britischen Think Tank Carbontracker ausgerechnet. Die Staatseinnahmen vieler dieser Länder hängen am Tropf des Öls wie Suchtmittelabhängige, unter ihnen der Südsudan, Irak, Azerbaidschan, Lybien, Saudia-Arabien oder der Kongo, die teils deutlich über 50 Prozent der Einnahmen aus der Ölförderung erzielen. Wunsch und Wirklichkeit in Sachen Energiewende klaffen in den meisten dieser Länder weit auseinander. Deshalb haben die Carbontracker zwei Szenarien verglichen. In einem spiegeln sich die Erwartungen dieser Staaten und ihrer Förderindustrie, die zumindest auf Business as Usual setzen, im andern jene der Weltgemeinschaft, sollte es gelingen, den Temperaturanstieg auf, weniger als zwei Grad zu begrenzen. Im ersten Szenario wurde von einem Durchschnittspreis von 60 Dollar pro Fass ausgegangen, im zweiten von 40 Dollar. Die bei diesem Szenario zu erwartenden Mindereinnahmen würden sich im Laufe der nächsten zwei Jahrzehnte auf 13 Billionen Dollar summieren. Das wird vor allem jene 40 Staaten hart treffen, die besonders abhängig sind von den Öleinnahmen, und am härtesten jene, in denen Armut und Not grassiert. Sie müssen mit rund 50 Prozent weniger Einnahmen rechnen. Carbontracker hat 19 Staaten benannt, die als besonders verwundbar eingestuft werden: Osttimor, Bahrain, Südsudan, Äquatorial-Guinea, Oman, Aserbaidschan, Angola, Suriname, Gabon, Tschad, Algerien, Trinidad und Tobago, Nigeria, Kongo, Brunei, Saudi-Arabien, Libyen, Kuweit und der Irak. Über 400 Millionen Menschen leben in diesen Staaten, knapp die Hälfte alleine in Nigeria. In zehn dieser Staaten wird die Lebensqualität als tief eingestuft. Dazu kommen die altbekannten Probleme wie Korruption, schlechte Regierungsführung und extreme Umweltverschmutzung durch die Förderung. Das sind besonders schlechte Voraussetzungen, um die sich abzeichnende schwere Wirtschaftskrise zu bewältigen. Die sozialen Folgen könnten besonders katastrophal sein. Diese sozialen und wirtschaftlichen Folgen müssten abgefedert werden, fordert Carbontracker.

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