Kyoko Oba, Ökonomin und Soziologin, Tokyo, Japan

«Ethik der Rechenschaft und Verantwortlichkeit.»

Kyoko Oba beschäftigt sich als Ökonomin, Umweltwissenschaftlerin und Soziologin mit ethischen Fragen der Atomindustrie in Japan.

»Die atomare Katastrophe von Fukushima Daiichi hätte auch ich, wie die allermeisten, nie für möglich gehalten. Im Unterschied zu Tschernobyl war die Katastrophe aber nicht vom Menschen verursacht, sondern von der Natur. Sie hat uns die Grenzen gezeigt, weil wir die Ehrfurcht verloren hatten. Wir haben uns alle in einer trügerischen Sicherheit gewiegt und uns zu sehr auf die Experten verlassen. Diese erhoben den Anspruch, allwissend zu sein, ohne sich selbst und der Gesellschaft Rechenschaft abzulegen, dass auch ihr Wissen begrenzt ist und der Kontrolle bedarf. Und wir haben ihnen geglaubt. Das war der Fehler der ganzen Gesellschaft. Man muss aber, bei aller Kritik, auch sehen, dass die Experten und die ganze Atomindustrie einen doppelten Auftrag haben: Eine sichere, unterbrechungsfreie Energieversorgung für alle Menschen und eine maximale betriebliche Sicherheit selbst vor Gefahren, die als vermeintlich undenkbar erachtet werden. Was wir deshalb heute brauchen, ist eine andere Ethik, eine Ethik der Rechenschaft und der Verantwortlichkeit, und wir brauchen Experten, die den Menschen erklären, was sie tun. Japan braucht die Atomenergie, zumindest so lange, als keine bessere Technologie zur Verfügung steht.«

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