Mika Ohbayashi, Direktorin Institut für erneuerbare Energien, Tokyo

“Wir brauchen die Atomenergie nicht mehr.”

Mika Ohbayashi ist Direktorin des 2012 gegründeten Instituts für erneuerbare Energien. Es ist die erste, von einem Milliardär gegründete Lobby-Organisation, die sich, ohne Gelder der Regierung, entschieden für die Förderung erneuerbarer Energien engagiert.

70 Megawatt Solar Kraftwerk in Kagoshima Nanatsujima

«Japan ist mit erneuerbaren Energien auf der Aufholjagd. Seit im Sommer 2012 eine Einspeisevergütung für erneuerbaren Strom eingeführt wurde, hat sich die Zahl der Projekte mehr als verfünffacht. Der Schwerpunkt liegt dabei zu über 90 Prozent bei der Photovoltaik. So gelang es, die Produktion der beiden letzten, im August 2013 abgeschalteten Atomreaktoren zur Hälfte mit Energieeinsparungen und Solarenergie zu kompensieren. Doch der Weg ist noch sehr weit. Tatsächlich liegt heute der Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten Stromproduktion bei nur gerade 8 Prozent, knapp die Hälfte stammt aus Wasserkraft. Die Photovoltaik liegt, trotz des Booms, bei etwas über einem Prozent, und Wind ist in einem der windreichsten Länder der Welt nur eine Marginalie. Japan hat einfach viel zu lange auf die Atomenergie gesetzt, auch wenn eigentlich schon seit der Jahrtausendwende klar ist, dass wir es mit einem Auslaufmodell zu tun haben. Japans große Stromunternehmen haben den Markt mit staatlicher Billigung fein säuberlich aufgeteilt. Jeder beschränkt sich auf seine Region und keiner tut dem anderen weh. So sind die Kapazitäten der Überlandleitungen viel zu gering, um etwa Strom aus dem windreichen Norden in die Industriemetropolen des Südens zu transportieren. Selbst innerhalb der regionalen Stromnetze sind die Kapazitäten so knapp bemessen, dass mehrere Unternehmen auf die Bremse treten und den solaren Klein- und Kleinstkraftwerken den Zugang verweigern. Diese Verhinderungspolitik wird selbst dem Gesetzgeber zu bunt. Für 2016 ist eine Liberalisierung des Strommarktes geplant, um den Monopolisten Beine zu machen. Denn Japan hat das Potenzial, um mit erneuerbaren Energien eine Energiewende zu erreichen, wie sie Deutschland gerade mit beeindruckendem Ergebnis vorlebt? Auf lange Sicht, etwa im Jahr 2050, können wir unseren Strom ausschließlich mit erneuerbaren Energien produzieren. Wir gehen davon aus, dass bis 2030 alleine mit konsequentem Energiesparen rund ein Drittel des heutigen Strombedarfs nicht mehr benötigt wird. Bis dann könnten 40 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen. Der restliche Bedarf ließe sich vorübergehend mit hocheffizienten Gaskraftwerken decken, bis genügend erneuerbare Kapazitäten aufgebaut sind. Atomstrom brauchen wir dazu nicht mehr. Die Regierung bemüht derweil die Kostenfrage und malt mit einer Studie des regierungsnahen Institutes für Energie-Ökonomie den Teufel an die Wand. Demnach würde ein Atomausstieg nicht nur enorme Kosten verursachen, sondern auch Hunderttausende Arbeitsplätze würden verloren gehen. Das ist, mit Verlaub, reine Propaganda für die Atomindustrie.”


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