Irene Aegerter, Physikerin, Schweiz

Beim WEF

«Die Energiewende ist katastrophal.»

Irene Aegerter ist Physikerin. Von 2000–2008 war sie Mitglied der Schweizer Kommission für die Sicherheit der Kernanlagen, von 2006–2008 präsidierte sie den Fachausschuss »Strahlenschutz und Entsorgung«. Im Blog www.kaltduschenmitdoris.ch nimmt sie regelmäßig Stellung zu aktuellen Energiethemen. Als Gründerin und Präsidentin des Vereins »Frauen für Energie« und der »Women in Nuclear« engagiert sie sich für Energie- und Kernkraftfragen, etwa mit der Forderung zu mehr Transparenz der AKW-Betreiber.

»Als die atomkritische Schweizerische Energiestiftung 1978 vorschlug, anstelle des geplanten AKW Kaiseraugst ein Kohlekraftwerk zu bauen, platzte mir der Kragen, und ich begann, mich für die Kernkraft und damit eine saubere und sichere Form der Stromgewinnung zu engagieren. Es mag damals noch nicht in aller Munde gewesen sein: Mit der Verbrennung von Kohle, aber auch Gas oder Öl befördern wir den Treibhauseffekt und den Klimawandel. Heute würde kein Atomkritiker mehr auf die Idee kommen, Kohlekraft zu fördern. Stattdessen werden Wind und Sonne gepriesen und sowohl Kohle als auch Kernkraft verteufelt.

In Deutschland sehen wir mit der Energiewende das katastrophale Ergebnis: Die Kohle feiert mit dem Atomausstieg ein nie gedachtes Comeback. Und die Schweiz ist drauf und dran, denselben Fehler zu begehen. Das kann und darf nicht sein. Wir werden niemals in der Lage sein, mit Windkraft und Sonnenenergie Strom zu produzieren, der auch dann verfügbar ist, wenn er gebraucht wird. Das zeigen gerade die Erfahrungen in Deutschland. Von den hohen Gestehungskosten dieser angeblich nachhaltigen Energieformen ganz zu schweigen. Das wird auch die Wirtschaft zu spüren bekommen, die es mit hohen Kosten und Produktionsausfällen zu tun haben wird. Unter diesen Umständen auf die Atomkraft zu verzichten, ist verheerend und schadet uns allen. Denn sie ist sicher, C02-neutral und sauber. Ich sage das auch vor dem Hintergrund der Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima, die letztlich auf eine mangelnde Sicherheitskultur, also menschliches Versagen, zurückzuführen waren. Die Reaktoren wiesen zudem konstruktive Mängel auf. Mit der heutigen Technologie, die sich nachrüsten lässt und etwa die Schweizer AKWs mit zu den sichersten der Welt macht, wäre das Unglück in Fukushima nicht passiert. Dazu wird die Gefährlichkeit radioaktiver Strahlung bei Weitem überschätzt. Wir haben Grenzwerte, die um ein Vielfaches unter der Dosis liegen, die uns schaden könnte. Ich könnte deshalb problemlos auch mit einer künstlich erzeugten Strahlung leben, die um das Zehnfache höher liegt als derzeit erlaubt. Wir hätten auch dann noch eine mehr als ausreichende Sicherheitsmarge. Auch ein Kohlekraftwerk setzt übrigens radioaktive Strahlung mindestens im Ausmaß eines AKW frei. Doch darüber beklagt sich kein Atomkraftgegner.«

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