Simon Hardegger, Psychologe, Schweiz

«Selbstüberschätzung ist sehr riskant»

Der Psychologe Simon Hardegger beschreibt die hohen Anforderungen, die an Mitarbeitende in Kernkraftwerken gestellt werden.

„Künftige Mitarbeiter der Kernkraftwerke müssen im wahrsten Sinne des Wortes wohlüberlegt handeln, trotzdem komplexe Vorgänge wahrnehmen und richtig einordnen, übereilte Entscheide vermeiden, gute psychomotorische Fähigkeiten aufweisen, sozial und teamfähig sein, Kritik und Fehler akzeptiere und eine hohe Aufmerksamkeit in einer monotonen Situation bewahren. Wir machen diese Tests am IAP dem Institut für Angewandte Psychologie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Die Überprüfung der psychischen Belastbarkeit der zukünftigen Kernkraftwerk-Mitarbeiter folgt einer Bundesverordnung und wird vom ENSI überwacht. Es gibt bei den Ansprüchen beispielsweise mit Polizisten, die wir auch testen, mehr Gemeinsamkeiten als man denkt. Polizisten, aber auch die Mitarbeiter eines Kernkraftwerkes müssen sehr gewissenhaft, pflichtbewusst und zuverlässig sein. Wichtig ist eine gewisse Bescheidenheit gegenüber der eigenen Aufgabe. Selbstüberschätzung gilt bei beiden Tätigkeiten als riskant und muss vermieden werden. Die Gefährlichkeit besteht in der subjektiven Unterschätzung einer potenziellen Gefahr und einer Überschätzung der eigenen Einflussmöglichkeiten auf eine Situation. Im Unterschied zum Kernkraftwerkmitarbeiter muss ein Polizist verstärkt interaktiv agieren, er muss beispielsweise seine Wirkung auf andere einschätzen und eine sozial gefährliche Situation beruhigen können. Kernkraftwerkmitarbeiter benötigen neben einer ausgeprägten Teamorientierung eine von Offenheit geprägte Fehlerkultur, aber auch einen Sinn für monotone und doch hoch komplexe Arbeiten. Der typische Mitarbeiter eines Kernkraftwerkes ist im Bereich der Technik männlich, hat das 30. Altersjahr überschritten; er möchte sesshaft werden, ist technikaffin und mag ein reguliertes vorgeplantes Umfeld. Zu den Tests, die im Zentrum gemacht werden, gehört unter anderem eine Rollensimulation. Dabei präsentieren die Psychologen ein reales Szenario und beurteilen die Reaktion der Getesteten nach vorgegeben Kriterien. Bereits das Einstiegsgespräch des bis zu einem Tag dauernden Tests folgt einer Guideline, so dass ein möglichst objektives Ergebnis in die Empfehlung an die Kernkraftwerke einfliesst.“

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