Käthi Furrer, Co-Präsidentin "KLAR!" Schweiz

"Unser Widerstand zwingt zu besten Lösungen"

Käthi Furrer ist Co-Präsidentin von KLAR! Schweiz. Die atomkritische Organisation wehrt sich seit 1993 gegen die Aktivitäten der Nationalen Genossenchaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle Nagra im Zürcher Weinland.

„Wir befürchten, dass wir eines Tages nicht mehr das Weinland, sondern das Atommüllland sind. Als Schulleiterin und Lehrerin in Dachsen, einem Nachbardorf von Benken, denke ich an die Zukunft der Kinder, wenn eines Tages die Pläne der Nagra umgesetzt werden. Im Gegensatz zu den meisten Bewohnern in unserer Gegend war ich schon immer gegen Atomenergie. Und obwohl diese Region auch schon seit langer Zeit im Zusammenhang mit einem Endlager im Gespräch ist, wählen die Bewohner mehrheitlich Politikerinnen und Politiker, die die Nutzung der Kernkraft unterstützt haben und noch unterstützen. Mit anderen Worten, die Bevölkerung ist sich nicht einig und zieht nicht an einem Strick, um die gemeinsamen Interessen gegen die Nagra zu vertreten.
Wir von KLAR! Schweiz machen weder Fundamentalopposition noch verweigern wir Gespräche. Die Opposition gegen das geplante Endlager beschränkte sich auf eine kleine, aber aktive Gruppe. Ich hatte die Hoffnung, dass sich mit der Energiewende etwas verändert. Denn ganz egal, ob wir für oder gegen die Kernenergie sind, dürfen wir den radioaktiven Abfall nicht einfach künftigen Generationen überlassen. Er muss sicher gelagert werden. Auf dieser Basis können wir auch mit Befürwortern der Kernenergie diskutieren. Seit aber das Parlament den Ausstieg aus der Kernenergie verwässert hat und ein Ende nicht mehr abzusehen ist, ändert sich die Situation. Ein Schlussstrich unter die Kernenergie ist für uns eine Voraussetzung, um konstruktive Gespräche bei der Frage der Endlagerung führen zu können. Wie es auch herauskommt: Die Sicherheit hat oberste Priorität und nicht das Geld. Von einem Endlager würden übrigens nicht nur die Menschen in der nahen Umgebung betroffen sein. Der Bauverkehr und dann die Endlageraktivitäten betreffen eine viel grössere Region: Schaffhausen, Winterthur und die deutsche Grenze liegen sehr nahe. Dennoch ist die Wahrnehmung des möglichen künftigen Tiefenlagers bei der Bevölkerung und den Medien der weitern Umgebung meiner Meinung nach sehr eingeschränkt. Schon ein paar Kilometer entfernt fühlen sich viele Leute nicht mehr betroffen, obwohl dies bei einem Unfall mit Radioaktivität keine Distanz wäre, die schützt. Viele befassen sich auch nicht mit dem Thema, weil es scheinbar erst in ferner Zukunft aktuell wird. Doch wenn das Tiefenlager einmal gebaut ist, kommen Forderungen zu spät. Ich bin überzeugt, dass die kritische Begleitung durch KLAR! Schweiz und andere atomkritische Gruppen die Qualität des Prozesses verbessert. Unser Widerstand zwingt die Nagra, wirklich die besten Lösungen zu finden.“

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Ringen um Vertrauen










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