Viel gute Absicht, zu wenig konkrete Umsetzung

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Sechs Wochen vor dem 26. Klimagipfel in Glasgow zeigt die klimapolitsche Auswertung der Denkfabrik Climate Action Tracker, dass mit Gambia ein einziges Land auf Kurs ist, um die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Wenn sich die Welt Anfang November in Glasgow zur 26. Klimakonferenz der Vereinten Nationen trifft, wird es gelten, Nägel mit Köpfen zu machen. Und tatsächlich bekennen sich im Vorfeld der Konferenz immer mehr Staaten dazu, das schon 2015 in Paris vereinbarte Ziel, die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, nun auch umzusetzen. Netto-Null heisst das aktuelle Zauberwort, um bis ins Jahr 2050 die Klimagas-Emissionen auf Null zu senken, notfalls unter Zuhilfenahme von Techniken wie der CO2-Speicherung in der Erdkruste oder mit anderen kompensatorischen Massnahmen. Das Wissenschaftsmagazin «nature climate change» kommt in einer Auswertung zum Schluss, dass es, nimmt man die vorliegenden Ankündigungen als Massstab, noch nicht zu spät ist, dieses Ziel auch zu erreichen. Danach wäre bis 2100 mit einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von 2 bis 2,4 Grad zu rechnen. Das ist rund ein halbes Grad weniger als mit der bisherigen Politik. Doch Papier ist geduldig.

Ganz anders sieht es bei einer kurzfristigeren Betrachtungsweise aus. Dann, meldet die Denkfabrik «Climate Action Tracker», die ein Bewertungssystem für die nationalen Klimapolitiken entwickelt hat und regelmässige Auswertungen veröffentlicht, haben die Regierungen seit vergangenem November gerade mal 15 Prozent der Massnahmen angepackt, um bis 2030 die ersten, wichtigen Weichen zu stellen für die erstrebte Netto-Null. «Wir brauchen dringend mehr Regierungen, die ihre nationalen Klimaziele verschärfen. Es sind einfach zu viele, vor allem unter den grossen Emittenten in den entwickelten Ländern, die zuwenig tun,» heisst es in einer Medienerklärung. 70 Staaten hätten noch gar nichts unternommen. Climate Action Tracker hat nun, auf wesentlich erweiterter Datenbasis, 37 Länder bewertet, ob sie auf Kurs des 1,5 Grad-Zieles sind. Gerade ein einziger Staat, Gambia, hat dieses Ziel vor Augen. Sieben weitere Länder, Costa Rica, Marokko, Nigeria, Äthiopien, Grossbritannien, Kenya und Nepal, sind sehr nahe dran. Der ganze Rest erhält in drei Abstufungen ungenügende Noten, unter ihnen im Mittelfeld die EU, die USA, die Schweiz, im hinteren Mittelfeld China, Argentinien, Australien, Indonesien und ganz am Schluss Russland, Saudi-Arabien und Thailand. Die Schweiz rangiert knapp vor den Vereinigten Staaten an 15. Stelle, die EU rangiert auf Platz 8, gefolgt von Deutschland, Chile und Japan.

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